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Eine BBC-Dokumentation hatte 1996 enthüllt, dass die Nonnen Insassen von Erziehungsheimen in Irland mit Stühlen oder Rosenkränzen geschlagen hatten. Der irische Staat entschuldigte sich 1999 für diesen und andere Vorfälle in nationalen Bildungs- und Sozialeinrichtungen. Der irische Spielfilm “Magdalene Sisters” des Regisseurs Peter Mullan (in Deutschland unter dem Titel “Die Unbarmherzigen Schwestern” in den Kinos) hatte 2003 weltweite Aufmerksamkeit für das Thema erregt.
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Dezember 2005 In Irland haben sich nach einem Aufruf durch die Regierung bis zum 15. Dezember insgesamt 14.768 betroffene ehemalige Heimkinder gemeldet und ihre Anträge auf Entschädigung, bei einem eigens dafür eingerichteten “Residential Institutions Redress Board” (Entschädigungsausschuss für Heimbewohner), eingereicht. Die Antragsteller und der Entschädigungsausschuss für Heimbewohner erklärten, dass es in den staatlich gegründeten und unter Leitung der römisch-katholischen Kirche stehenden Einrichtungen, wie Kinderheimen, Waisenhäusern und Kinderhospitälern, oft zu körperlichen Übergriffen durch das Betreuungs- und Heimpersonal gekommen sei. Dabei habe es sich nicht nur um körperliche Misshandlungen, sondern oft auch um sexuelle Übergriffe gehandelt. Diese führten, in den meisten Fällen, zu nachhaltigen Traumatisierungen und anderen seelischen Schäden, an denen die Opfer in ihrem späteren Leben bis heute noch leiden.
Mai 2004 Der katholische Orden der “Barmherzigen Schwestern” (“Magdalene Sisters”) in Irland entschuldigt sich vorbehaltlos für Gewalt und Missbrauch an “Schutzbefohlenen”. In der in Dublin veröffentlichten Erklärung des Ordens heisst es, die 1996 ausgesprochene Verzeihungsbitte sei noch nicht weit genug gegangen. Die Opfer der Vorfälle aus den 50er und 60er Jahren begrüssten den Schritt als mutig.
August 2003 Für die in dem irischen Spielfilm "Magdalene-Sisters" dokumentierten Grausamkeiten an jungen Mädchen entschuldigt sich eine US-Ordensgemeinschaft. "Wir bedauern zutiefst den zugefügten Schmerz und die Ungerechtigkeit", heißt es in einer in Washington veröffentlichten Erklärung der “Sisters of Mercy”. Wortlaut in Englisch...
Der Film des Regisseurs Peter Mullan, der weltweit für Furore sorgte, erzählt die in Irland teils bis Mitte der 90er Jahre herrschenden Zustände in Häusern der Sisters of Mercy aus der Sicht dreier junger Frauen. Die barmherzigen “Magdalenen-Schwestern” hatten junge Mädchen, die unehelich schwanger wurden oder andere vermeintlich unmoralische Vergehen begangen hatten, aufgenommen und in ihren Häusern unter teils sklavenähnlichen Bedingungen ausgebeutet. Nach Aussagen von Betroffenen soll es häufig zu Gewalt bis hin zu sexuellem Missbrauch gekommen sein.
Mai 2003 In einem Spiegel-Artikel mit dem Titel “ Die Unbarmherzigen Schwestern” von Peter Wensierski wird über das Schicksal ehemaliger Heimkinder in Deutschland berichtet. “Priester und Nonnen misshandelten in den fünfziger und sechziger Jahren Tausende Jugendliche, die ihnen in Heimen anvertraut waren. Die damals Betroffenen wollen den Skandal nun aufklären, stossen aber auf eine Mauer des Schweigens.” Erstmals erfährt auch in Deutschland eine grössere Öffentlichkeit etwas über das Schicksal der Heimkinder der Nachkriegszeit. Das Echo auf den Spiegel-Bericht ist überwältigend: hunderte von Lesern schreiben, oft über ihr eigenes Schicksal.
Spiegel Artikel von 2003 als pdf-Datei
Januar 2003 Der Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, Wolfgang Schäfer, hat das ehemalige Heimkind Paul Brune für das in den Einrichtungen des Landschaftsverbandes bzw. des Provinzialverbandes in der Zeit des Nationalsozialismus in Dortmund und auch in den Nachkriegsjahren bis 1953 im St. Johannesstift Marsberg erlittene und empfundene Unrecht offiziell um Entschuldigung gebeten.
Januar 2003 In Deutschland läuft der Peter-Mullan-Film unter dem Titel “Die Unbarmherzigen Schwestern” in den Kinos.
September 2002 Der Vatikan und katholische Kreise Italiens üben scharfe Kritik an der Auszeichnung des Films "Magdalene Sisters" beim Filmfestival von Venedig. Der Film sage "nicht die Wahrheit über die Kirche und ist auch kein Ruhmesblatt für das Festival", er bringe es vielmehr in Misskredit, meinte Kardinal Ersilio Tonini. Nach Ansicht des katholischen Journalisten Gianni Baget Bozzo ist der Film "allein wegen seines anti-katholischen Inhalts" mit dem "Goldenen Löwen" ausgezeichnet worden. Auch Valerio Riva vom Verwaltungsrat der Biennale äußerte in der Tageszeitung "La Repubblica" deutliche Ablehnung. Der Preis für Mullan sei eine Provokation. "Für mich ist die Verleihung des Löwen an einen Regisseur verdächtig, der die Katholiken für schlimmer hält als die Taliban", sagte Riva wörtlich. Der Film mache "unkorrekte Propaganda". Riva zieht sogar Vergleiche zwischen dem schottischen "Magdalene Sisters"-Regisseur Peter Mullan und Leni Riefenstahl. "Riefenstahls Filme konnte man erst nach dem Tod Hitlers als Kunstwerke betrachten; vorher waren sie reine Propaganda". Für Andrea Piersanti, Präsident des katholischen Filmwesens in Italien, ist es "paradox", dass gerade der Film ausgezeichnet sei, der Publikum und Kritik am meisten gespalten habe. Es sei ein "bizarres Zeichen, dass das erste Filmfestival unter einer Mitte-Rechts-Regierung einen erklärtermaßen antiklerikalen Film prämiert hat". Bereits im Vorfeld hatte die Vatikanzeitung "Osservatore Romano" Mullans Film als "schlecht gelungene Karikatur" bezeichnet.
September 2002 Als "schlecht gelungene Karikatur" bezeichnet die Vatikanzeitung "Osservatore Romano" den auf dem Filmfestival von Venedig vorgestellten Film "The Magdalene Sisters" des schottischen Regisseurs Peter Mullan. Der Regisseur arbeite mit zu vielen Verallgemeinerungen und Typisierungen, als dass sein Werk eine ernst zu nehmende Kritik an der Kirche und ihrer Sozialarbeit darstellen könnte, schreibt die Vatikanzeitung auf ihrer Seite drei. Unterzeichnet ist der wütende Dreispalter von einem Pater Patruno.
In seinem Film schildert Mullan die Ausbeutung und psychische Misshandlung junger Frauen, die im Jahr 1964 in einem katholischen Stift in Irland als "gefallene Mädchen" abgestempelt werden. Das Vatikan-Blatt kritisiert, der katholische Filmemacher und Schauspieler suche immer wieder den Anklang an Klassiker der Kino-Geschichte und verliere dabei den Bezug zur Realität. Wenn der Film die Kirche auf "einige psychopathische Lager" in Irland oder Schottland hätte hinweisen wollen, dann sicher nicht mit einer so wütenden und rachsüchtigen Provokation.
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