|
Wittekindshof - Diakonische Stiftung für Menschen mit Behinderungen Anke Marholdt, Pressesprecherin, Zur Kirche 2, 32549 Bad Oeynhausen Tel.: (0 57 34) 61-11 33, Mobil: (0173) 5 29 76 10, anke.marholdt@wittekindshof.de
Bad Oeynhausen, 12. Mai 2006
Presseinformation
Vorstandssprecher Pfarrer Horst Ritter, Theologischer Vorstand
Stellungnahme zu dem von Klaus Linnenbrügger vorlegten Bericht über sein Leben in der Diakonischen Stiftung Wittekindshof in den Jahren 1948-1966
Die von Klaus Linnenbrügger aus Essen vorgelegte Darstellung über sein Leben in der Diakonischen Stiftung Wittekindshof in den Jahren 1948 bis 1966 ist erschreckend. Das, was Klaus Linnenbrügger beschreibt, stellt in verschiedenen Facetten eindeutig eine Verletzung der Menschenwürde dar und ist unvereinbar mit dem christlichen Menschenbild. Trotzdem: Es gibt keine Belege für die Vorwürfe (z.B. unangemessene Verabreichung von Psychopharmaka, Gewaltanwendung durch Schläge und Tritte, sexueller Missbrauch). Nach allem, was wir heute wissen, hätten insbesondere Vergewaltigung und Schläge auch damals eine Kündigung nach sich gezogen, wenn sie bekannt geworden wären. Die Diakonische Stiftung Wittekindshof hat einen Historiker beauftragt, eine Untersuchung zu den Lebensumständen in der Nachkriegszeit zu erarbeiten. In die Arbeit sollen die Erinnerungen von Klaus Linnenbrügger ebenso einfließen, wie die Erinnerungen anderer Frauen und Männer, die damals in Wittekindshofer Häusern gelebt und gearbeitet haben.
Ich habe Herrn Klaus Linnenbrügger in die Diakonische Stiftung Wittekindshof eingeladen, um in einem persönlichen Gespräch offene Fragen zu besprechen. Die Gesprächsbereitschaft soll dazu beitragen, die Lebensgeschichte von Herrn Klaus Linnenbrügger in ihrer Ganzheit ernst zunehmen. Herr Jürgen Gohde, der Präsident des Diakonischen Werkes der Evangelischen Kirche in Deutschland, hat dazu aufgefordert, das Schweigen über das Leben in Wohnheimen der Nachkriegszeit zu brechen. Frauen und Männer können so Respekt und Anerkennung wiedergewinnen, die ihnen oft jahrzehntelang dadurch vorgehalten wurde, dass ihre Lebenserfahrungen in Wohnheimen tabuisiert und oft als unwahr zurückgewiesen wurden.
Die Diakonische Stiftung Wittekindshof hat bereits Mitte der 90er Jahre Klaus Linnenbrügger auf Anfrage Einsicht in seine Krankenakte ermöglicht, die insgesamt ein viel freundlicheres, d.h. auf seine Stärken und Fähigkeiten eingehendes Bild von ihm zeichnet, als in dem von ihm ausgewählten Zitat zu Beginn seiner Darstellung. Mehr können wir dazu in der Öffentlichkeit nicht sagen, weil wir als Träger aus Datenschutzgründen zur Verschwiegenheit verpflichtet sind. Wir haben Herrn Linnenbrügger angeboten, in einem persönlichen Gespräch die von ihm aufgeworfene Rentenfrage zu erörtern.
Die Erinnerung an die Zeit nach Kriegsende soll in Zukunft gefördert werden. Ohne Zweifel gab es in der Nachkriegszeit allgemein andere pädagogische Vorstellungen als heute. Wenn Herr Linnenbrügger schreibt, dass zwei Mitarbeiter für 18 Jugendliche verantwortlich waren –und das war so – so ist nicht auszuschließen, dass es zu Überforderungssituationen hat kommen können. Wir müssen alles daran setzen, dass wir eine solch mangelhafte personelle Situation nicht durch die Reduzierung der Standards wiederholt. Menschliches Fehlverhalten kann also nie ganz ausgeschlossen werden. Darum müssen Strukturen erhalten bleiben, um es schon im Keim zu ersticken. Zwei wichtige Instrumente, die seit einigen Jahren in der Diakonischen Stiftung Wittekindshof eingeführt und praktiziert werden, sind das Qualitätsmanagement und das Beschwerdemanagement. Seit einiger Zeit absolvieren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter spezielle Fortbildungen zur Verhinderung von Gewalt im Arbeitsalltag oder erhalten die Möglichkeit zur Supervision und Beratung, um auch in sehr schwierigen Situationen die Menschenwürde und die Ebenbildlichkeit Gottes, die in jedem Menschen begegnet, nicht zu verletzen.
Bad Oeynhausen, 12. Mai 2006
|